Reisebeginn
Unterwegs ankommen · Der Anfang unserer Reise

Nun haben wir uns auf den Weg gemacht. Eine lange Reise liegt vor uns. Geplant haben wir zunächst ca. 2 Jahre, erst nach Süden, dann nach Osten. Einem neuen Zuhause entgegen.

Ein neuer Lebenabschnitt hat für uns begonnen mit einem neuen Lebensrhythmus, der erst gefunden werden muß. Unterwegs ankommen. Das ist gar nicht so einfach.
Wir sind losgefahren um Deutschland endlich möglichst rasch hinter uns zu lassen. Die Schweiz haben wir zügig durchquert um nach Italien zu kommen und schließlich das Mittelmeer zu erreichen. Danach trieb uns die Sorge weiter, Frankreich schnell und problemlos zu passieren um unseren Hund sicher durchs Land zu schmuggeln. (Boerboels, zumindest Typ Mastiff fallen in die Kategorie 1 der in Frankreich verbotenen Rassen, keine Einfuhr, kein Transit). Als wir Spanien erreichten glaubten wir endlich durchatmen zu können und die Reise „richtig“ zu beginnen. Doch von heute auf morgen funktioniert das nicht.

Bislang waren wir stets nur wenige Wochen am Stück unterwegs, im Urlaub, mit dem Ziel möglichst viel zu sehen, Ziele zu erreichen, uns Leckeres zu gönnen, Zeit zusammen zu genießen, den Alltag zurück zu lassen, Spaß zu haben.. zu reisen eben.

Doch nun galt es Beständigkeit in einer dauerhaft wechselnden Situation zu finden und einen neuen Alltag zu leben. Eine Normalität.

Wir, vielleicht v.a. wir Deutschen sind gewohnt zu funktionieren, Dinge zu erledigen, Pläne zu haben, effizient zu sein. Dauerhaft unterwegs zu sein hat eine ganz andere Essenz und die eine gegen die andere auszutauschen war für uns die eigentliche Herausforderung.
Es braucht Zeiten für Schule, für´s Fahren, Besichtigungen, Planungen, Bewegung.. alles sinnvoll in einen Tag zu bringen, gelingt letztlich nur mit Flexibilität – und Gelassenheit. Und manchmal eben auch nicht.

..wir arbeiten noch daran..

Gleichwohl sind wir jeden Tag dankbar dafür, dass wir unterwegs sein können. Dass wir es nach all der Zeit der Planung, der Vorbereitung, auch den Bedenken und Zweifel und des Träumens geschafft haben uns zu lösen und diesen Schritt zu gehen. Wir freuen uns an schönen Orten aufzuwachen, uns bereichern Begegnungen mit anderen Menschen, wir wachsen durch Erkenntnisse, und wir schauen jeder Art von Erlebnis und Erfahrung, welche uns noch begegnen wird, gespannt entgegen. Wir hoffen wir können ein bisschen davon mit Euch teilen.
Schweiz
Zwischen Bergpanorama, Kuhglocken und Gotthard

Die erste Etappe durch die Schweiz war letztlich nur eine kleine Visite einmal um den Vierwaldstättersee. Der Transit auch für schwere Fahrzeuge ist heutzutage einfach gestaltet und eine 7 Tages „Vignette“ / PSVA für WoMos > 7,5t kann problemlos online erstellt werden.

In Immensee konnten wir unser großes Gefährt auf den Parkplatz des Badi quetschen, wenn auch mit etwas mehr Raumeinnahme als wahrscheinlich vorgesehen. Herrlich war es im klaren Seewasser zu schwimmen umschlossen von Gebirge und die erste Nacht vor der Kulisse des Rütli und Co zu verbringen. Für einen Teil der Familie sind Berge wie heimkommen. Man möchte loslaufen und die sanften Hügel erklimmen, weiterwandern auf den Pfaden des SAC und erschöpft und glücklich die friedlichen Höhen erreichen. Da oben, wo es nicht weitergeht.
Bei dem Rest der Familie lösen Berge leider eher Abwehr aus. „Hilfe! Anstrengung!“, aber von unter betrachtet ist das Bergpanorama auch ganz schön. Doch zumindest fand auch Helena es `cool` vom allgegenwärtigen Glockengebimmel der Kühe auf den umgebenden Weiden geweckt zu werden.

Küssnacht liegt nur ein paar hundert Meter von Immensee entfernt, und natürlich haben wir uns auf die Spuren des eidgenössischer Befreiungsmythos begeben. In der Hohlen Gassen (nachgebildet in den 30er Jahren) bekommt man einen spürbaren Eindruck wie es gewesen sein könnte zu Zeiten der habsburgischen Unterdrückung – lange bevor Schiller die Szene verewigt hatte. Man steht auf den von Wetter und Mensch abgerundeten Steinen zwischen tief verwurzelten Bäumen und umschließenden Felsen und will einfach glauben, dass es so war. Dass eine Begegnung mit Handkarren und Gegenverkehr schwierig war und, dass Herr Tell genau hinter jenem Baum da links gelauert hat..

Auch im Alpnacher See ließ sich anschließend erfrischend baden und die fleißigen Sportler beim Foiling beobachten. Laut tapferem Foilisten ist der Anfang dieses Hobbies ein bisschen zäh und frustrierend, jedoch dann mit steiler Lernkuve, auch wenn es so einfach aussieht. Ein bißchen Auf- und Niederwippen kann doch nicht so schwierig sein?! Doch gefühlt sind die Schweizer eh das sportlichste Volk der Welt. In so herrlicher Landschaft zu leben verpflichtet wohl. Wenn man am Ufer sitzt – zum Biologieunterricht oder um den vorbeiziehenden Wolken Formen und Namen zu geben – erinnert einen stets ein vorbeirennenden, -radelnder, -joggender, -segelnder, -kletternder.. Eidgenosse daran, dass die letzte eigene Sporteinheit schon ein bißchen zu lange zurück liegt.
Die Straßen, welche um den Vierwaldstätter See führen sind großteils beeindruckend durch den Stein gehauen und dem Berg abgerungen – und werden es auch heute noch. Tunnel haben die Schweizer durchaus fleißig gebaut und im Vergleich zu den südlicheren Ländern wohl auch die professionellsten. Das Zählen haben wir bald aufgegeben, auch wenn unsere Strecke durch das Land dieses mal sehr begrenzt war. Nach 9km Selisbergtunnel schlängelte sich unser Dicker aka „the Goat“ letztlich das Reusstal hinauf und durch den 15km langen Gotthardtunnel, welcher direkt ins Tessin führt.

Die Schaukäserei in Airolo, der Caseificio del Gottardo, hatte viel Käse im Angebot, jedoch leider nur ein pyramidenförmiges Schaufenster um die Milchverarbeitung von oben zu betrachten. Vielleicht waren wir auch einfach zur falschen Zeit vor Ort, aber unser Italienisch reicht für diese Art Details (noch) nicht aus – und die Schweizer sprechen hier nicht mehr notgedrungen Schweizerdeutsch. Dafür konnten wir bei Micros einen günstigen Vorrat an Gruyere und Appenzeller erwerben, der uns bis nach Frankreich reichte.

Anschließend rollten wir sachte das Ticinotal hinunter, an den imposanten Stadtmauern von Bellinzona vorbei und entschieden uns den Lago maggiore etappenweise auf den windenden engen Straßen an der Westküste entlang zu passieren um kurz hinter Brissago Italien zu erreichen, wo uns bereits Palmen begrüßten.